Zur Person
Nadine Karbach ist Verlagskauffrau und Kommunikationswissenschaftlerin und arbeitet als Koordinatorin im Projekt "youthpart - Jugendbeteiligung in der digitalen Gesellschaft" bei IJAB, Fachstelle für internationale Jugendarbeit, in Bonn.
Dort ist sie u.a. für die Modellentwicklung von Partizipationsmöglichkeiten mittels Internetangebote verantwortlich. Dabei steht die Beteiligung Jugendlicher im Fokus, zum Beispiel durch Erprobung und Weiterentwicklung von Good-Practice Modellen aus dem In- und Ausland.
Nadine Karbach ist Mitglied der Youth Coalition on Internet Governance sowie der Expertengruppe des Europäischen Jugendforums zu Jugendpolitik und Neue Medien. Daneben bringt sie sich aktiv bei den Arbeitsgruppen (Ohus) Open Government und Internet Governance des Co:llaboratory ein.
Open Lunch: Youthpart startet Partizipationsserver Ypart.eu
Digitale Jugendbeteiligung ist im Trend. Doch auf welche Software sollte man setzen? Beim „Open Lunch“ im BaseCamp Berlin wurde der neue Server für Jugendbeteiligung Ypart.eu vorgestellt und in Konkurenz zu verschiedenen ePartizipationsverfahren und Methoden diskutiert.

Was ist der richtige Weg? Wie stark darf eine Moderation in den Diskussionsprozess eingreifen? Sollte ePartizipation lokal verankert werden? Machen die Jugendlichen überhaupt mit? Und können sich die Kommunen das überhaupt leisten?
Noch gibt es viele Fragen rund um das Thema ePartizipation, das sich nochim Erprobungs- und Forschungsstadium befindet. Um über die neuesten Erfahrungen und Erkenntnisse zu diskutieren, trafen sich am 16. April Partizipationsexperten aus verschiedenen Projekten zum "Open Lunch" in Berlin.
Neben dem Lunch wurde jedoch auch gelauncht: Der Gastgeber youthpart startete gleich zu Beginn der Veranstaltung feierlich den Partizipationsserver "Ypart.eu", der speziell für Jugendbeteiligung entwickelt wurde.
Felix Barckhausen, Referatsleiter Jugend und Medien aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, begrüßte die Neuentwicklung. Er hieß die Gäste im Café BaseCamp willkommen und führte aus: "96 Prozent aller Jugendlichen sind im Netz. Da ist es doch selbstverständlich, dort Partizipationsverfahren durchzuführen. Mit dem Start von Ypart.eu realisiert sich heute ein Teil dessen, was das Bundesministerium vor drei Jahren mit dem Dialog Internet angestoßen hat".
Auch Ute Trentini, Referentin im BMFSFJ, äußerte sich im Rahmen der Debatte positiv über den Partizipationsserver: "Das Projekt youthpart ist eine Plattform, auf der sich viele Partner treffen. Als Ministerium können wir uns glücklich schätzen, dass IJAB hier so ein großes Netzwerk aufgebaut hat. Ich möchte den jungen Menschen danken, die sich mit so viel Engagement an der Entwicklung von Ypart gearbeitet haben."
Da Ypart nicht das einzige Angebot für ePartizipationsverfahren ist, hatte das Team von youthpart auch andere Anbieter und Projekte eingeladen, um über Vor- und Nachteile der bisher eingesetzten Systeme einen Meinungsaustausch zu führen.
Im Mittelpunkt stand die Frage nach der Moderationsmethode. Einig war mansich schnell, dass jede elektronische Debattenplattform moderiert werden sollte, um die Nutzerinnen und Nutzer nicht zeitlich zu überfordern und um sie vor Spam und Belästigung zu schützen. Umstritten warjedoch, wer letztlich an diesem machtvollen Hebel der Moderation sitzen soll.
Dr. Oliver Märker von der Konsultationsagentur Zebralog vertrat dabei die Position, dass solche Verfahren durch professionelle Moderator(inn)en oder geschulte Teilnehmer/-innen erfolgen sollte. Die eingesetzten Plattformen sollten möglichst individuell an den jeweiligen Zweck angepasst werden. Daniel Poli, Leiter des IJAB-Geschäftsbereichs Qualifizierung und Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit, warf dagegen kritisch ein, dass solche aufwändigen Moderationsverfahren und individuellen Plattformprogrammierungen höhere Kosten für die Kommunen verursachten.
Aufzeichnung des Livestreams der Veranstaltung
Ina Bömelburg von der Bertelsmann Stiftung hat gemischte Erfahrungen mit moderierten Plattformen gemacht. Im Rahmen des rheinland-pfälzischen Jugendforums "jung bewegt" griffen die Moderator(inn)en in mehreren Phasen in die Debatte ein: "Wir haben versucht möglichst nah an dem zu bleiben, was die Jugendlichen gemeint haben". Die Moderator(inn)en, teils professionell, teils geschulte Jugendliche, haben gleichzeitig auch als Motivator/-in fungiert. Doch das aufwändige Verfahren hat seine Nachteile: Auf rund 200.000 Euro schätzte Bömelburg die Kosten des Jugendforums.
Ichmache>Politik.de vom Deutschen Bundesjugendring dagegen setzt auf gewählte Moderator(inn)en. So besteht zwischen Moderator(inn)en und Jugendlichen eine Rückkopplung, erklärte Michael Scholl: "Das ist so ähnlich wie ein gewählter Vorstand oder eine Regierung im Parlament". Ichmache>Politik.de setzt auf ein hauseigenes ePart-Tool.
Eine andere Lösung bietet das Crowdsourcing-basierte Moderationsverfahren an. Anders als die moderationsbasierten Verfahren setzt Adhocracy auf die Moderation durch die Vielen. Dort gibt es keine Einzelmoderator(inn)en, sondern alle Teilnehmenden übernehmen die Aufgabe gemeinsam. Ungewünschte Beiträge werden nicht gelöscht, sondern einfach kollektiv abgewählt. Vorgestellt wurde das Verfahren von Daniel Reichert und Eva Panek von Liquid Democracy e.V. Der Verein entwickelt die Software Adhocracy, die in Varianten unter anderem bei den Plattformen offenKommune.de, Ypart.eu, einigen Universitäten und der enquetebeteiligung.de eingesetzt wurde. "Natürlich würden wir bei strafrechtlich relevanten Inhalten eingreifen, aber das war bisher kaum nötig. Ansonsten strukturiert sich die Debatte nur auf Basis der Votings der Teilnehmer", erklärte Eva Panek diese Idee.
Fazit:
Mit Ypart geht ein spannendes neues Werkzeug für Jugendbeteiligung an den Start. Jetzt ist es an den Kommunen und den Jugendlichen, die Angebote zu nutzen und durch ein entsprechendes Feedback zur Verbesserung beizutragen. Welches Software-Angebot sich am Ende durchsetzen wird, entscheiden schließlich die Nutzerinnen und Nutzer. Erfreulich ist, dass alle Anbieter gemeinsam daran arbeiten, die demokratischen Beteiligungsmöglichkeiten und den Dialog auf allen Ebenen der Gesellschaft zu verbessern.
Weitere Links zu dieser Veranstaltung:
- Ypart.eu Factsheet
- Politik Digital: "Digitale Jugendbeteiligung: Gemeinsam etwas bewegen"
- Google Plus Foto-Galerie
- Vollständige Aufzeichnung des Livestreams
- Fernsehbeitrag von TV-Berlin
- Facebook-Eventseite der Veranstaltung mit weiteren Fotos
- Ankündigung auf IJAB.de mit Programmflyer
ePartizipation vor Ort: Youthpart zieht erste Zwischenbilanz
Was haben Bargteheide, Andernach und Offenbach an der Queich gemeinsam? Sie wollen Jugendliche lokal stärker einbinden – und zwar mit Hilfe des Internets. Und weil es dazu kein Patenrezept, sondern viel zu erproben und auszuprobieren gibt, haben sich diese Kommunen an das IJAB-Projekt youthpart gewandt und sich als Modellprojekte für digitale Jugendbeteiligung beworben. Die Ausschreibung startete am 1. Juni 2012 – Zeit für eine Zwischenbilanz.
"Seit August letzten Jahres haben wir im Rahmen des Projekt youthpart rund zwei Dutzend Termine bei Kommunen wahrgenommen, da kommt man ganz schön rum“, berichtet youthpart-Projektkoordinator Jürgen Ertelt. „Selten bleibt es bei einem Termin vor Ort, sodass wir mitunter mehrfach zu Gesprächen anreisen.“ Dabei kommt der erste Kontakt häufig informell zustande, etwa durch einen Anruf im Projektbüro oder durch eine E-Mail mit der Bitte um weitere Informationen. So geschehen bei Jüchen, Heiligenhaus, Wolfsburg, Landshut, Gifhorn, Meppen, Heidelberg, Emsdetten und weiteren Städten.
Auf das Angebot von youthpart werden Partner vor Ort auf unterschiedlichen Wegen aufmerksam, zum Beispiel durch den Städte- und Gemeindebund, der die Ausschreibung zu kommunaler Beratung für digitale Jugendbeteiligung in Kooperation mit youthpart und dem Bundesjugendministerium im Mai 2012 verschickte. Oder aber, weil man dem youthpart-Team und dessen Angeboten auf der ein oder anderen Veranstaltung begegnet ist.
„Um in das Programm für die kommunale Beratung aufgenommen zu werden, reicht eine E-Mail oder ein Anruf natürlich nicht aus“, erläutert Jürgen Ertelt. „Wichtig ist vor allem, dass der gemeinsame Wille vor Ort zum Beispiel durch einen Ratsbeschluss dokumentiert ist.“
Dieser läge nicht immer gleich zu Beginn vor, ergäbe sich jedoch oft, wenn der Prozess einmal angelaufen ist, führt er weiter aus. Prozess lautet das Zauberwort für diesen Teil des youthpart-Projektes. Dieser verläuft von Kommune zu Kommune unterschiedlich, sodass sich bis dato wenig Allgemeingültiges sagen lässt. Zu diesem wenigen gehört unter anderem, dass es vor Ort eine Person gibt, die sich für diesen Prozess verantwortlich fühlt. Das heißt konkret, dass diese Person sehr engagiert lokal die richtigen Kontakte sucht und pflegt, Informationsveranstaltungen initiiert, und das Thema lokal bekannt macht.
„Vieles zu ePartizipation Jugendlicher vor Ort ist noch unklar und muss erprobt und ausprobiert werden. Da tauchen im Prozess viele Fragen zum Umgang mit dem Internet und Social Media auf, aber auch zu unseren Tools, die wir beantworten und gemeinsam besprechen“, sagt Jürgen Ertelt und gibt damit einen praktischen Einblick in die kommunale Beratungsleistung von youthpart. Mit dabei vor Ort ist häufig auch Eva Panek vom Verein Liquid Democracy e.V. mit dem youthpart zusammen den neu entwickelten Jugendpartizipationsserver „ypart“ betreibt. Vor allem beim Präsentationstermin zum Angebot von youthpart und dem „ypart“-Tool, stehen Jürgen Ertelt und Eva Panek Rede und Antwort. Solche Präsentationstermine werde im Vorfeld kollaborativ zwischen allen Beteiligten vereinbart und sind ein kostenfreies Angebot von youthpart im Rahmen der kommunalen Beratungsleistung. Oftmals ist dieser Termin aber schon der zweite oder dritte Kontakt zwischen youthpart und dem lokalen Ansprechpartner, so dass bereits ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis besteht.
„Youthpart bietet vor allem eine immaterielle Beratungsleistung an, also Informationen und Unterstützung rund um das Thema ePartizipation, Vorträge und Präsentationstermine, sowie die kostenlose Nutzung des „ypart“-Servers. Was wir im Rahmen dieses Projektes nicht bieten ist eine finanzielle Unterstützung. Das stellen wir im Erstgespräch auch nochmal heraus“, berichtet Jürgen Ertelt. „Doch die steht für viele Kommunen auch gar nicht im Vordergrund.“ So hat youthpart bereits einige Veranstaltungen zum Thema digitale Jugendbeteiligung vor Ort begleitet, zum Beispiel in Heiligenhaus im Dezember 2012. Dort setzten sich Jugendliche mit Fragen rund um lokale ePartizipation auseinander.
Darüber hinaus ergeben sich auch Gespräche mit Städten, aus denen schon die ersten gemeinsamen Veranstaltungen erwuchsen oder für 2013 geplant sind, um das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. (Eine Übersicht finden Sie am Ende des Artikels.)
Bis zum 30. Juni diesen Jahres können sich Kommunen noch bei youthpart bewerben, kommunale Modellprojekte zu digitaler Jugendbeteiligung ins Leben zu rufen. „Die Begleitung ist ein intensiver und qualitativ aufwendiger Prozess. Wir freuen uns über alle, die bis jetzt an Bord sind. Wie viele noch dazu kommen werden und können, ist schwer zu prognostizieren." Jürgen Ertelt plant schon den nächsten Beratungsbesuch vor Ort.
Übersicht über vergangene und zukünftige Veranstaltungen
Digital // Vernetzt // Beteiligt – Jugendarbeit und Partizipation mit dem Social Web am 3. Juni 2013 in Ludwigshafen – unter Beteiligung des Jugendministeriums Rheinland-Pfalz
Cyberwork-Fachtagung vom 17.-19. April 2013 mit der Stadt Bremen
Fachtag Soziale Netzwerke - Neue Kommunikationsformen verändern Jugendarbeit am 26. November 2012 in Köln
Laut!-BarCamp am 19./20. Oktober 2012 in Nürnberg
Dieses Werk bzw. dieser Inhalt von Nadine Karbach steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz. http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de/
Fachtagung in Köln in Kooperation mit youthpart - Neue Kommunikationsformen verändern Jugendarbeit
Eine Fachtagung der Stadt Köln in Kooperation mit dem multilateralen Kooperationsprojekt Youthpart geht am 26. November im Kölner Mediapark der Frage nach, wie Soziale Medien für mehr Jugendpartizipation genutzt werden können.
Die gesellschaftliche Etablierung des Internets hat nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Bedeutung von sozialen Netzwerken im 21. Jahrhundert deutlich gewandelt. Neben den traditionell überschaubaren, zielgerichteten Zusammenschlüssen mit persönlichen Bezügen, haben sich nun schnelllebige und numerisch unterschiedlich große virtuelle Informations- und Kommunikationsnetze entwickelt, die nicht nur, aber vor allem von jungen Menschen genutzt werden. Viele von ihnen sind Mitglied in einem oder mehreren sozialen Netzwerken wie Facebook, Jappy, Twitter, MySpace oder SchülerVZ, die nachhaltig das Kommunikations- und Mediennutzungsverhalten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen prägen. Immer mobiler werdende Hardware wie Smartphones, Tabletts und Netbooks ermöglichen ihnen dabei eine Kommunikation zu jeder Zeit und an jedem Ort.
Kolleginnen und Kollegen aus Jugendhilfe und Jugendarbeit stellt sich zunehmend die Frage, welche Bedeutung die Sozialen Netzwerke in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erhalten und wie die neuen Kommunikations- und Informationskanäle für die eigenen Angebote genutzt werden können?
Welche Erfahrungen haben die Pädagoginnen und Pädagogen dabei gewonnen? Wie kann Social Media sinnvoll genutzt werden? Was gilt es zu beachten? Welche Hindernisse ergeben sich? Welche Mehrarbeit entsteht mit der Pflege von eigenen Online-Seiten?
Die Veranstalter laden alle Interessierten ein an der Fachtagung teilzunehmen, um diese und weitere Fragestellungen mit den Referentinnen und Referenten zu erörtern und deren Angebote und Erfahrungen in speziellen Workshops kennenzulernen.
Zeit und Ort:
26. November 2012, 9:00 - 17:45 Uhr
Im Mediapark 6, 50670 Köln
#ePART2012 - Erkenntnisse einer internationalen Forschungskonferenz zu ePartizipation
Zum vierten Mal fand die ePART Konferenz statt, in diesem Jahr in Kristiansand/Norwegen. Die ePART ist eine Forschungskonferenz, und zielt darauf ab internationale Forschungsergebnisse aus dem Bereich ePartizipation zu präsentieren, Kooperationen zwischen Forschern zu fördern und den Trends für zukünftige Forschung zu identifizieren. Sie ist Teil der EGOV Konferenz, die seit 11 Jahren von der IFIP Working Group 8.5 ausgerichtet wird.
Die ePART ist eine noch eher kleine Forscherkonferenz: Insgesamt hießen die Stadt Kristiansand und die Universität von Agder etwas mehr als 100 Konferenzteilnehmer willkommen, Präsentatoren eingeschlossen.
Youthpart wird im Projektverlauf einige innovative Erkenntnisse zu ePartizipation Jugendlicher und ihrer Beteiligung in die digitale Gesellschaft anhäufen: für eine Konferenz wie die ePART sind dabei vor allem die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Belang, aber auch die technischen Instrumente, die internetbasierte Jugendpartizipation fördern.
Von den 18 vorgestellten Forschungspapieren zu ePartizipation, 2 Workshops und 2 Keynotes zogen die folgenden vier Projekte die Aufmerksamkeit von youthpart auf sich:
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Teenager zum Mitmachen bewegen: Der Fall des Jugendbeirates der Stadt Lausanne
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Die Wahl des richtigen Mediums für kommunale ePartizipation basierend auf den Erwartungen der Zielgruppen
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Online-Communities unterstützen Politik: Die Notwendigkeit zur Datenanalyse
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Erarbeitung von Politik durch nicht-moderiertes Crowdcourcing in Sozialen Medien
Teenager zum Mitmachen bewegen, das stand im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Analyse, die ein Vertreter der Universität Lausanne präsentierte. Und das war nicht so einfach: die Stadt Lausanne richtete einen Jugendbeirat ein, und bewarb dies durch eine vielfältige Medienkampagne. Viel mehr beauftragte sie eine Agentur, die sich klassischer Elemente (z.B. Reklametafeln) als auch online Kanäle bediente (z.B. facebook, youtube). Die Evaluation der (gescheiterten) Kampagne durch die Universität Lausanne und die Graduierten Hochschule der Öffentlichen Verwaltung macht deutlich, wie ungleich schwieriger es ist, Jugendliche jenseits von organisierten Strukturen für politisches Engagement zu begeistern. Gleichzeitig zeigt die Analyse der Motive derjenigen Jugendlichen, die sich für den Jugendbeirat bewarben, dass einige Faktoren förderlich wirken: Idealismus der Jugendlichen die Welt zu verbessern, Berührung mit Politik im Elternhaus, z.B. durch Vorbilder aus der Familie, dem Bekanntenkreis oder durch Gespräche im Elternhaus, sowie bereits vorangegangene, ehrenamtliche Erfahrungen.
Den Zusammenhang zwischen Medienpräferenzen, Informationsbedürfnis und kommunaler Beteiligung untersuchen norwegische Forscher der Universität Agder: dabei wählten sie eine Gemeinde mit 8,000 Einwohnern und identifizierten zunächst alle Zielgruppen (u.a. Gewerbetreibende, Jugendliche, Immigranten, Senioren) und befragten sie zu zweierlei Aspekten; zum einen nach der Medienpräferenz und zum anderen nach dem Informationsbedürfnis. Jugendliche artikulieren demnach ein Informationsbedürfnis nach allgemeinen Informationen, lokalen Informationen, individuellen Informationen und sind darüber hinaus am Service Dialog und an einer Meldestelle für lokale Infrastrukturprobleme interessiert. Für alle diese Informationsbedürfnisse liegen internetbasierte Kommunikationsformen weit vorne, vor allem Webseiten und Email. Soziale Medien punkten beim Informationsbedürfnis „Forum für Diskussionen“ und „Dialog Gewerbetreibender“; mobile Medien erreichen ihren Zenit beim Bedürfnis lokale Infrastrukturprobleme zu melden.
Schwarmintelligent nutzen, um Politik zu gestalten – vor allem bei textbasierten Online-Diskussionen fällt es noch stets schwer in angemessener Zeit die Kernargumente und deren Bewertung zu erfassen. Die Notwendigkeit zur Datenanalyse und eine technische Herangehensweise präsentierte ein Vertreter des Fraunhofer Institutes. Die Software ist dabei in der Lage, sehr lange, thematische Stränge auf verschiedene Aspekte hin zu untersuchen. Gemäß der Häufigkeit von Worten werden Begriffsgruppen gebildet, die vom Verwender manuell mit einem Oberbegriff versehen werden müssen. Ebenso kann durch die Analyse die Tendenz bestimmt werden; welche Gruppen werden positiv, welche negativ kommentiert und in welcher Stärke. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass es sich dabei um eine Diskussion nach vorbestimmten Parametern handelt (z.B. Online-Plattform, Zeitraum, Fragestellung, Thema), d.h. Diskussionsbeiträge sind bewusste Äußerungen der Teilnehmenden.
Kontroversen innerhalb der Zuhörerschaft löste die Präsentation eines europäischen Forschungsprojektes aus: Das Konsortium plant die Entwicklung einer Software, die Soziale Medien durchsucht, Mitteilungen sammelt, auswertet und zur Politikgestaltung zur Verfügung stellt. Nicht-moderiertes Corwdsourcing zur Erarbeitung von Politik nennen es die Gründer, Überwachungssoftware oder Webcrawler nennen es Zuhörer aus dem Publikum in der anschließenden Diskussion. Vertreter des Projektes argumentierten, dass Soziale Medien öffentliche Quellen seien, ähnlich wie Online-Ausgaben von Zeitungen, und daher unbedenklich verwendet werden können. Zuhörer aus dem Publikum berichteten von Ministerien, die mit dieser Argumentation die Online-Aktivitäten ihrer Bürger überwachen, zur Kontrolle. Die Diskussion legte nahe, dass sich dieses Projekt an der begrifflichen Grenze von ePartizipation bewegt.
Die ePART und eGOV-Konferenzen profitierten von ihrer Internationalität; nicht nur durch die europäischen Teilnehmer, sondern auch durch weltweite Teilnehmer, zum Beispiel aus Mexiko, Indonesien, die Vereinigten Staaten von Amerika, Brasilien, Kamerun, Indien und Südkorea.
Die fünfte ePART wird (zusammen mit der zwölften EGOV) vom 16.-19. September 2013 in Koblenz stattfinden.
Weitere Informationen zur Konferenz: http://www.epart-conference.org/
Dieses Werk bzw. dieser Inhalt von Nadine Karbach steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz. http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de/
Die Mitmach-Demokratie künftiger Generationen (von Simon Schnetzer)
Simon Schnetzer stellt Ergebnisse der Studie junge Deutsche 2011 zu den Themen Erwachsenwerden und Identität junger Menschen vor. Außerdem leitet er aus den Ergebnissen zu Politik, Netz und Engagement das Rational für mehr direkte Beteiligung a.
Der Autor: Simon Schnetzer (32 J.), Diplom-Volkswirt und Gründer des partizipativen Jugendforschungsprojekts junge Deutsche.Er ist Herausgeber der Studie „junge Deutsche“ und führt mit seiner Firma DATAJOCKEY: social research & dialogue Auftragsforschungs- und Dialogprojekte durch. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Übergänge junger Erwachsener, Beschäftigung, politische Beteiligung, sozialer Zusammenhalt und Alt & Jung Generationendialog.
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Das Ziel des Projekts junge Deutsche ist es, Deutschland aus der Sicht junger Menschen zu betrachten und etablierte, oft veraltete, Strukturen und Sichtweisen aus dieser Perspektive zu hinterfragen. Nachfolgend stelle ich Ihnen einige Ergebnisse der aktuellen Studie junge Deutsche 2011 vor.
Erwachsenwerden in Deutschland

Wer kennt ihn nicht, den Spruch aus dem Munde der Eltern oder Großeltern, „als ich so alt war wie du, da war ich schon ... und hatte ...“. Ob sie diese Pünktchen nun mit Kindern, finanzieller Unabhängigkeit oder etwas anderem ersetzen, überlasse ich Ihnen. Sicher ist jedenfalls, dass die heute 18-34-Jährigen im Durchschnitt später Verantwortung übernehmen und „erwachsen“ werden – so sind von den 22-25-Jährigen erst 50% finanziell unabhängig und von den 30-34-Jährigen haben erst 20% Kinder. Was ist es, das so anders ist als früher? Sie streben nach Selbstverwirklichung im Beruf, wollen kreativ sein und ein gutes Leben führen ... während die Welt, von Wettbewerb und Digitalisierung beschleunigt, sich immer schneller dreht, prekärere Arbeitsbedingungen bietet und es schwerer fällt einmal abzuschalten.
Digitalisierung total

Einen ganz guten Einblick in die Welt junger Menschen bietet einen Blick darauf, welche Umstände und Erlebnisse die heute 18-34-Jährigen besonders prägen. Mit Abstand am prägendsten wird für alle untersuchten Altersgruppen „Digitalisierung“ bewertet (55-59%), weil sie sämtliche Lebensbereiche durchdringt und bestimmt. An zweiter Stelle kommt für die jüngeren „Zerfall der Familie“ (38%), was mit zunehmendem Alter jedoch abnimmt. Die Bedeutung von „Globalisierung“ dagegen steigt mit zunehmendem Alter und erreicht für die 26-34-Jährigen über 50%.
Wer schreibt heute noch auf einer alten Schreibmaschine? Einige Nostalgiker oder Technikverweigerer á la „das muss ich auf meine alten Tage nicht mehr lernen“. Es ist nicht lange her, dass die Schreibmaschine der Standard war und eine Veränderung unvorstellbar wirkte. Die Vorteile elektronisch geschriebener Dokumente überwiegen: man kann sie online gemeinsam verfassen oder automatisch übersetzen lassen und, man muss keine Schreibmaschine herumtragen. Warum also sollte man also nicht die Frage laut stellen dürfen, wie die Möglichkeiten des Internets und der sozialen Netzwerke auch die Funktionsweise der parlamentarischen Demokratie positiv weiterentwickeln können.
Netz und Politik. Wo stehen die jungen Leute?
(zur besseren Ansicht "Grafik anzeigen")
86% sehen ihre Interessen durch die Politik nicht vertreten und 73% haben kein Vertrauen in die Arbeit der Regierung. Obwohl 60% Angst vor Missbrauch mit ihren Daten im Netz haben, befürworten 67% neue Möglichkeiten der politischen Partizipation durch das Internet.
Die jungen Leute informieren sich über Politik - 37% glauben mit ihrem Engagement etwas bewegen zu können - 41% sagen sie engagieren sich. Dieses Engagement findet immer seltener in den traditionellen politischen Organisationen, in den Parteien statt. Gründe dafür gibt es viele: mangelnde Zeit, unattraktive hierarchische Strukturen, Vermutung oder Wissen dort nichts bewegen zu können, veränderte Feindbilder ... und die zögerliche Bereitschaft der Parteien sich mit den Veränderungen zu entwickeln.
Das Volk stimmt mit ab
Was mich auf meiner gesamten Projekt-Tour beschäftigte war: Wie kann man junge Menschen wieder stärker an Politik beteiligen?
Die Antworten finden sich darin, wie junge Menschen heute ticken: Sie haben wenig Zeit. Sie wollen etwas Bewegen, wenn sie sich einsetzen. Das Internet ist ihr alles - die Zeitung, das Telefon, der Jugendtreff, der Einkaufsladen und so weiter. Sie interessieren sich für Themen. Sie wollen ernst genommen werden und ungern warten.
Diskutieren Sie mit, wie die Zukunft der Demokratie aussehen soll.
Das Projekt junge Deutsche wird übrigens auch dieses Jahr wieder eine Studie durchführen. Themen im Fokus 2012 werden Partizipation und Europa. Aktuelle Informationen finden Sie stets unter www.jungedeutsche.de
Diese(s) Werk bzw. Inhalt von Simon Schnetzer steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz. http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de/