Sehr viele Eltern haben zwar schon von Jugendschutzsoftware gehört, aber die meisten wissen nicht genau, was solche Software leisten kann und wie man sie im familiären Alltag am besten einsetzt. Deshalb ist der Wunsch nach mehr Information groß.
Trotz der Wissenslücken erwarten sich die Eltern recht viel von technischen Hilfsmitteln zur Förderung eines sicheren Umgangs mit dem Internet. Die Erwartungen im Einzelnen hängen selbstverständlich vom Alter und der Internetnutzung der eigenen Kinder ab, auch zwischen Vätern und Müttern zeigen sich Unterschiede. Für die Akzeptanz bei den Eltern wird es vor allem darauf ankommen, für wie wirksam, praktikabel und nutzerfreundlich sie die Filterprogramme halten.
Aktuell setzt etwa ein Fünftel der Eltern Jugendschutzsoftware bei der Internetnutzung ihrer Kinder ein; dabei gibt es keine erkennbaren Vorlieben für bestimmte Programmtypen. Die höchsten Einsatzquoten haben Filterprogramme bei der Internetnutzung 12- bis 13-Jähriger, die geringsten bei jüngeren Kindern und älteren Jugendlichen. Mehr zu aktuellen Forschungsergebnissen finden Sie als Überblick im Pressematerial zum Dialog Internet hier.
Was bedeuten diese Ergebnisse für die im Dialog Internet geplante Informationskampagne über Jugendschutzsoftware? Hier sind erste Schlussfolgerungen:
- Zunächst gibt es ein „Begriffsproblem“. Bei Softwarebezeichnungen können Missverständnisse auf Elternseite entstehen; Informationen müssten daher eher Funktionalitäten und Einsatzgebiete bzw. Zwecke beschreiben. Außerdem sollten Informationen zu Jugendschutzsoftware sowohl über das Instrument als solches als auch über den konkreten Einsatz im familiären Alltag aufklären.
- Der bestehende Informationsbedarf auf Seiten der Eltern ist unterschiedlich; sie müssen also auch an unterschiedlichen Stellen „abgeholt“ werden.
- Eine einzige Kampagne, die alles abdecken möchte, wird sehr wahrscheinlich zu Verständnisschwierigkeiten führen und daher nicht das gewünschte Ergebnis erreichen. Daher scheint eine Fokussierung auf bestimmte Adressatengruppen notwendig, die unterschiedliche Voraussetzungen bezüglich des Themas mitbringen. Dazu gehören etwa Eltern, die das Internet selbst wenig nutzen, Alleinerziehende, deren zeitliche Ressourcen für die Auseinandersetzung mit dem Thema besonders knapp sind, oder auch formal niedriger gebildete Eltern. Dabei geht es vor allem darum, zunächst ein Bewusstsein für die Existenz von Jugendschutzsoftware und die damit verbundenen Möglichkeiten und Grenzen zu schaffen.
- Sinnvoll erscheint eine Kooperation mit relevanten Akteuren, die bereits verschiedene kommunikative Maßnahmen zum Thema sicherer Umgang mit dem Internet entwickelt haben (z. B. Schau hin!, klicksafe etc.). Konkrete praktische Einsatzszenarien, Erfahrungen mit der Software (aus Eltern- und Kindersicht) sowie deren Einbettung in den Familienalltag sollten im Rahmen qualitativer Familienstudien vertiefend untersucht werden, um sinnvolle kommunikative Maßnahmen adressatengerecht entwickeln zu können.
- Aus medienpädagogischer Sicht ist überdies dem möglichen Missverständnis entgegenzuwirken, Jugendschutzsoftware sei eine Möglichkeit, Konflikten mit Kindern aus dem Weg zu gehen. Stattdessen sollte deutlich gemacht werden, dass es sich um eine Option handelt, um vor allem Jüngeren einen sichereren Einstieg ins Netz zu ermöglichen und einen Anlass für begleitende Gespräche über erwünschte und unerwünschte Online-Inhalte innerhalb der Familie zu geben.
Update vom 08.02.2012:
Das Arbeitspapier "Jugendschutzsoftware im Elternhaus: Kenntnisse, Erwartungen und Nutzung" ist jetzt in der Reihe Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts erschienen und steht zum Download zur Verfügung.
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In der Initiative „sicher online gehen – Kinderschutz im Internet“ setzen sich Bund, Länder und die Wirtschaft für einen wirksamen Schutz von Kindern im Internet ein. Zum Start der Initiative unterzeichneten die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder, der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, Ministerpräsident Kurt Beck, sein Stellvertreter in dieser Funktion, Ministerpräsident Stanislaw Tillich, sowie zahlreiche namhafte Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft und des Kinder- und Jugendschutzes am 6. Juli 2012 in Berlin die Charta „sicher online gehen – Kinderschutz im Internet“.